10.7.-10.11.2011
Ausstellungskooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen und des U’mista Cultural Centre Alert Bay (Canada)
Das U’mista Cultural Center in Alert Bay (Vancouver Island) wird etwa 80 Holzplastiken (Kult-Masken, Theater-Masken aus einer Ausstellungsfläche im U’mista Museum von ca. 200qm) nach Dresden bringen und diese dort identisch unter dem Ausstellungstitel “The Great Potlatch Gift-Giving Customs and Economies of Plenty” vom 10. Juli bis 10. November 2011 präsentieren. Die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, als Einrichtung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, entsenden zur selben Zeit in das dann nahezu leere Museum U’mista eine Auswahl von Dresdner Objekten unter dem Ausstellungstitel “The Gift in the Center of Society and Identity”. Das Projekt wird zu Teilen von der Kulturstiftung des Bundes finanziert.
Ein besonderes Merkmal des Vorhabens ist die Gleichzeitigkeit der beiden Ausstellungen und der Vergleich zweier Sammlungen auf Augenhöhe. Am Ausstellungsort in Dresden, im Japanischen Palais, wird die Potlatch-Sammlung von kanadischen Kuratoren vermittelt. Am Ausstellungsort Alert Bay im U’mista Cultural Center wird die Dresdner Sammlung vermittelt von Kuratoren aus dem Kollegium der Wissenschaftler.
Ziel des Vorhabens: Beziehungen, Ähnlichkeiten und Verwandtschaften der Bedeutung und Dringlichkeit des Geschenk-Gebens in zu zeigen, miteinander zu vergleichen. Mit dem Ausstellungs-Tausch tritt die Beziehung zwischen großen und kleinen Museen in ein ungewöhnliches Stadium. Es kann nicht darum gehen, höfische sächsische Kultur und die Kultur der First Nations mit ihren früher deutlich aristokratischen Zügen zu idealisieren oder zu kritisieren, sondern darum, sie in ihren historischen Kontexten zu zeigen. Dabei werden Ähnlichkeiten sichtbar und vergleichbar, wobei die unterschiedlichen historischen Ebenen zu beachten sind.
Die Potlatch-Sammlung mit ihren bis zu 300 Jahre alten Kult- und Theatermasken steht für den Austausch von ökonomischem Überfluss in der indianischen Gruppe (Clan mit aristokratischen Merkmalen) als ein notwendiges Geschenk zum Erhalt der Stabilität. Auf großen Festen wird Überfluss in Form von Masken, kunstvollen Decken, Flechtwerken, Skulpturen, Theatermasken, auch Nahrung usw. innerhalb der Gruppe verteilt. Große Werte werden dabei u.U. von den Potlatch-chiefs vernichtet. Wer es fertig bringt, seinen gesamten angehäuften Besitz (Sammlung) oder einen großen Teil davon in einem theatralischen und rituellen Aufzug (Fest, potlatch) zu verschenken, der gilt als groß. 1920 wurde der Potlatch mit dem Argument, dass es sich um sinnlose Verschwendung handle, verboten und die Sammlung konfisziert. Um 1970 wurde das Verbot aber aufgehoben und die Sammlung restituiert. Sie wird heute in U’mista ausgestellt und von Nachfahren der First Nations (Kwakwaka’wakw) vermittelt, die vor der UNO als anerkannte Minderheit anerkannt sind. Das U’mista Cultural Center ist auch Forschungsstätte und Archiv und genießt international hohes Ansehen.